Schärer Linder

29.06.2020

Ersatzmeeting mit Schweizer Elite

Die Luzernerin Géraldine Ruckstuhl freut sich, dass am 3. Juli Zuschauer dabei sein dürfen. Bild: Terry McHugh

Die Luzernerin Géraldine Ruckstuhl freut sich, dass am 3. Juli Zuschauer dabei sein dürfen. Bild: Terry McHugh

Praktisch alle Schweizer Spitzen-Leichtathleten, die nicht verletzt sind, werden am speziellen Meeting in Luzern dabei sein. Nicht teilnehmen wird Johannes Vetter. Der Weltmeister von 2017 hat sich am Samstag verletzt.

Eine Woche vor dem Meeting ist bei Karl Vogler, OK-Präsident von Spitzenleichtathletik Luzern, kaum zu spüren, dass in diesem Jahr alles etwas anders ist als gewöhnlich – zumindest nicht, was das Stresslevel angeht.
Spitzenleichtathletik Luzern musste aufgrund des Coronavirus abgesagt werden. Innert kurzer Zeit hat Swiss Athletics gemeinsam mit den Vereinen Spitzen Leichtathletik Luzern und LC Luzern sowie dem Innerschweizer Leichtathletikverband eine Alternative auf die Beine gestellt. Ein Meeting für die besten Schweizer Athletinnen und Athleten, ergänzt mit rund 30 internationalen Sportlerinnen und Sportlern. «Wir tun dies für die Schweizer Athletinnen und Athleten. Wir wollen trotz den Umständen einen Wettkampf ermöglichen», sagt Vogler. Obwohl das Meeting an sich etwas kleiner ausfällt, ist auch das diesjährige spezielle Meeting kein Selbstläufer. «Diese Situation ist für uns alle neu, die Planung ist mit all den Schutzbestimmungen sehr aufwendig», erklärt Vogler.


300 Zuschauer werden zugelassen


Geplant war ursprünglich ein Meeting unter Ausschluss der Öffentlichkeit – dann kam der Entscheid des Bundesrats, Veranstaltungen mit bis zu 1000 Zuschauern zu bewilligen, sofern die Schutzmassnahmen eingehalten werden. Die Organisatoren des Meetings in Luzern haben sich deshalb letzte Woche entschieden, 300 Personen auf die Tribüne zu lassen – der Eintritt kostet 20 Franken. «Wir wollen keine Risiken eingehen, deshalb sind es lediglich 300 Zuschauerinnen», sagt OK-Präsident Karl Vogler. Von der familiären Atmosphäre, bei der normalerweise internationale Topathleten für die Zuschauer zum Greifen nahe sind, wird in diesem Jahr in Luzern nicht viel zu spüren sein. Die Zuschauerbereiche werden am 3. Juli klar von den Athleten abgetrennt sein.
Mit den Meetings in Langenthal, Meilen, Bern, Sarnen und nun Luzern kommt die Schweizer Leichtathletikszene doch noch in den Genuss einer Mini-Wettkampfsaison. In Luzern werden mit 16 Disziplinen in diesem Jahr gar mehr Disziplinen ausgetragen als gewohnt. Sowohl auf der Bahn wie bei den Wurfdisziplinen besteht Potenzial für hochkarätigen Wettkampf. Über 110 Meter Hürden darf man beispielsweise auf den Auftritt des Schweizer Rekordhalters Jason Joseph gespannt sein.


Auch der Speerwurf verspricht einen Wettkampf auf hohem Niveau. Unter anderem war die Teilnahme von Johannes Vetter geplant. Der Deutsche gewann 2017 an der WM in London Gold, letzten Herbst sicherte er sich an den Weltmeisterschaften in Doha Bronze. Vor drei Jahren erreichte er mit 94,44 Metern in Luzern seine persönliche Bestweite. Weiter hat den Speer bisher erst einer geworfen. Leider fällt Vetter nun aber kurzfristig verletzungsbedingt aus. Mit dabei wird jedoch Simon Wieland sein. Der Schweizer ist aktueller U20-Europameister.


Bei den Frauen bekommt es die Lokalmatadorin Géraldine Ruckstuhl ebenfalls mit starker internationaler Konkurrenz zu tun. Unter anderem hat die deutsche Europameisterin von Berlin 2018, Christin Hussong, ihre Teilnahme bestätigt. «Für mich ist es eine spezielle Motivation, gegen solch international starke Athletinnen antreten zu können», sagt Géraldine Ruckstuhl. 
Saisonziel laufend angepasst


Die aktuelle Situation erfordert von den Athletinnen und Athleten grosse Flexibilität. «Momentan kann es täglich Neuigkeiten zu Meetings geben. Ich nehme Tag für Tag», sagt Ruckstuhl gelassen. Nach der Olympiaabsage hatte sie die Europameisterschaften in Paris zum Saisonziel erklärt. Nachdem auch diese aus dem Kalender gestrichen wurden, musste sie sich erneut neu orientieren. «Momentan sind die Schweizer Meisterschaften im August und September mein Saisonhöhepunkt, aber vielleicht ergibt sich plötzlich doch noch eine Möglichkeit auf ein internationales Meeting.»


Erst einmal freut sie sich nun aber auf das Heimmeeting, auf ihrem Trainingsplatz, wie sie sagt. Die Vorfreude wurde noch etwas grösser, als sie erfuhr, dass nun doch einige Zuschauer dabei sein dürfen. «Die Leichtathletikszene ist zwar schon eine grosse Familie, aber es ‹fägt› halt schon mehr, wenn Zuschauer im Stadion sind. Die motivieren einen, noch mehr Gas zu geben.» Für diejenigen, die kein Ticket ergattern können, zeigt SRF am Freitagabend um 22 Uhr eine 30-minütige Teilaufzeichnung des Meetings.


Mehr Infos: www.meeting-luzern.ch

Marcel Habegger